Alternative Straßennamen aufgehängt

Veröffentlicht am 27.01.2022 in Allgemein

Aktivist:innen der Jusos Passau haben einige Straßennamen anlässlich des Internationalen Holocaustgedenktages, welche Nazi-Hintergründe haben, umbenannt

Alternative Straßennamen aufgehängt

 

 

Anlässlich des Holocaustgedenktages haben die Jusos Passau in einer nächtlichen Aktion an Straßenschildern von 4 verschiedenen Passauer Straßen alternative Straßenschilder mit kurzen Erklärungen aufgehängt.

 

Konkret wurden so aus der Max-Mattheis-Straße die Anne-Frank-Straße, aus dem Watzlikring der Sophie-Scholl-Ring, aus der Langemarckstraße die Regina-Jonas-Straße und aus dem Franz-Stockbauer-Weg der Getrud-Schloss-Weg.

 

Die Jusos Passau erklären dazu in einer Pressemitteilung: Mehrere Passauer Straßen tragen noch Namen mit klarem NS-Bezug. Mit unserer Aktion wollen wir auf die Hintergründe dieser aufmerksam machen und eine kritische Auseinandersetzung mit den Personen bzw. Begriffen anregen.

Max Mattheis war ein Anhänger der Nationalsozialisten. 1933 trat er der NSDAP und der SA bei. In seinen Texten aus dieser Zeit verwandte er diffamierende Begriffe für Juden und Andersdenkende. Anstelle eines Nationalsozialisten sollte diese Straße lieber den Namen Anne Franks tragen.

 

Hans Watzlik war ab 1938 Mitglied der NSDAP. Zur Zeit des Nationalsozialismus galt er als politisch zuverlässig und künstlerisch wertvoll. Anstelle eines offen mit dem Nationalsozialismus sympathisierenden Mannes sollte diese Straße besser nach einer Widerstandskämpferin wie Sophie Scholl umbenannt werden.

 

Franz Stockbauer traf 1922 erstmals auf Adolf Hitler und förderte diesen von Anfang an. 1935 trat er der der NSDAP bei. Wir schlagen deswegen eine Umbenennung des Franz-Stockbauer-Wegs in Regina-Jonas-Weg vor. Regina Jonas war eine deutsche Rabbinerin und die erste weibliche Rabbinerin weltweit.

 

Als Langemarck-Mythos wird ein politischer Mythos bezeichnet, der die im Deutschen Reich betriebene Verklärung einer verlustreichen militärischen Auseinandersetzung während des Ersten Weltkriegs zum Inhalt hatte. Darauf aufbauend trug eine im Zweiten Weltkrieg im besetzten Belgien aus Freiwilligen aufgestellte Division der Waffen-SS den Namen „Langemarck“. Als alternativen Straßennamen zur Langemarck-Straße schlagen wir Gertrud-Schloss-Straße vor. Getrud Schloss war Jüdin, Sozialdemokratin, Feministin, Journalistin und Dichterin. Sie entsprach in vieler Hinsicht dem Feindbild der Nazis und starb 1941 im KZ Kulmhof.

 

Abschließend fordern die Jusos die Stadt Passau auf, bei den problematischen Straßennamen im Passauer Stadtgebiet nicht weiter wegzusehen und sich erneut mit einer Umbenennung NS-belasteter Straßen zu beschäftigen.

Die Informationstafeln zu den neuen Straßennamen finden sich auf dem Instagram der Jusos Passau.